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Computerspiele – schädlich oder nützlich? Eine Stadtteilwelten-Reportage.

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Eine große Tür trennt uns von dem Inneren des alten Hauses. Im Erdgeschoss sieht man durch ein Fenster, wie ein Mann am Schreibtisch sitzt und etwas in einen Computer eingibt. Volker Wegner begrüßt uns mit einem Handschütteln. Er arbeitet beim Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (kurz: LI) in der Abteilung Medienpädagogik. Sein Arbeitsgebiet ist die kindliche und jugendliche Mediennutzung. Dazu gehören auch Computerspiele. Was ist eigentlich das Faszinierende an digitalen Spielen?! Der Medienpass NRW liefert eine Antwort: „Ein Faszinationsgrund kann das gemeinsame Spielen sein, welches heutzutage auch über das Internet möglich ist. Kinder und Jugendliche messen sich miteinander und vergleichen ihr Können in einem spielerischen Rahmen oder spielen kooperativ zusammen und lösen gemeinsam Aufgaben.“ „Man kann das Hirn abschalten“, sagt eine Befragte oder „Computerspielen macht einfach Spaß!“, findet eine andere Passantin.

Können Spiele auch zum Lernen genutzt werden?
Aber Computerspiele werden nicht nur zum Zeitvertreib entwickelt, sondern auch zum Lernen. Allerdings werden solche Lernspiele bislang nur selten genutzt, berichtet Volker Wegner, der Lehrer unterstützt, Medien im Unterricht zur Hilfe zu nehmen. Auf die Frage, warum Computerspiele wenig in der Schule eingesetzt werden, antwortet er: „Dies liegt daran, dass die meisten Computerspiele keinen Lerneffekt bringen und für das Lernen keine Bedeutung haben.“ Volker Wegner beschreibt auch die Ansicht der Lehrer: „Die Lehrer selbst sind überwiegend der Meinung, dass Computerspiele im Unterrichtsgeschehen nicht zur Anwendung kommen sollten, weil die Schüler zuhause schon viel zu viel spielen, daher sollten sie in der Schule mehr ernsthafte Lernübungen machen.“ Einige Leute glauben, dass digitale Spiele nur Zeitverschwendung sind. „Dass Kinder und Jugendliche so viel Computerspiele spielen, finde ich ein bisschen schade. Sie sollten lieber rausgehen, sich mit Freunden treffen oder ins Kino gehen“, sagt eine auf der Straße befragte Frau.
Dabei finden sehr viele Kinder und Jugendliche, dass die Spiele eine tolle Freizeitbeschäftigung sind. Ein Jugendlicher erzählt, dass er durch Computerspiele schon mal etwas gelernt hat, zum Beispiel englische Worte, die man im Unterricht noch nicht kennen gelernt hat.

Wie viel Spielen ist okay?
Man kann sich also tatsächlich Fähigkeiten durch Computerspielen aneignen. Aber wenn man zu oft vor dem Computer sitzt und sich nicht von dem Spielen lösen kann, besteht die Gefahr, abhängig zu werden. Wann ist man eigentlich süchtig? Volker Wegner, der auch im Suchtpräventionszentrum (kurz: SPZ) arbeitet, weiß eine Antwort: „Diese Frage kann man nicht so ganz schnell beantworten. Es gibt einen Katalog von Merkmalen, wann man von einer Abhängigkeit sprechen kann.“ Jedoch wurde die Computerspielsucht noch nicht in den weltweiten Katalog aufgenommen. Befragte Leute geben an, dass sie am ehesten von Online-Adventure-Rollenspielen süchtig werden. Dies liegt daran, dass die Online-Spiele immer weiter gehen, selbst wenn man aufhört sie zu spielen. So entwickelt sich der Drang, immer online sein zu müssen. Außerdem spielt man Online-Spiele immer gemeinsam. Dadurch kann man sich mit Freunden messen, egal wo sie wohnen. Die Frage, ob jeder süchtig werden kann, verneint der Experte: „Nein, wenn man die Wissenschaft heranzieht, so kann nicht jeder von Verhaltenssüchten abhängig werden. Es gibt Gefährdungsmerkmale, wenn man zum Beispiel aus schwierigen Familienverhältnissen stammt. Kinder, die keine Regeln bekommen, sind natürlich gefährdeter.“

Vor allem macht Computerspielen Spaß!
Nun stellt sich die Frage, wie dem Betroffenen geholfen werden kann. Die beste Waffe gegen Abhängigkeit ist laut Volker Wegner, der Abhängigkeit vorzubeugen, indem man erstens selbstbewusst ist, zweitens „nein“ sagen kann, damit man drittens nicht verführt wird. Wenn man jedoch abhängig ist, kann man sich vom SPZ beraten lassen. „Es geht hier allerdings mehr um die Jugendlichen und Schüler, als um die Erwachsenen.“ Wenn man sich jedoch von Computerspielen trennen kann und neben dem Spielen auch andere Freizeitbeschäftigungen betreibt, dann ist das Hobby unbedenklich und macht vor allem Spaß. Auch Volker Wegner hat selbst schon Computerspiele gespielt. „Ich habe es eine Zeit lang gemacht, um mich zu orientieren, wie Spiele gespielt werden und was daran der Reiz ist. Solche Spiele, wie World of Warcraft, habe dann aber gemerkt, dass ich darin nicht besonders talentiert bin.“

Eine Reportage von Henry, Ilja und Younes.

 

 

About

Ich bin Vera Marie und leite die Redaktionsarbeit der Stadtteilwelt. Als Medienpädagogin führe ich eine Reihe von medienpraktischen Projekten mit Jugendlichen durch. In meiner Freizeit spiele ich Computerspiele, lese Blogs, gehe ins Kino und zu Konzerten oder treffe Freunde auf einen Kaffee.

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